Regenwurm im Boden

Kaum ein anderer obstbaulicher Fachbereich wird so stark durch die anthroposophische Philosophie geprägt wie die Bodenpflege. In seinem landwirtschaftlichen Kurs hat Rudolf Steiner die Grundlagen für die biodynamische Landwirtschaft gelegt. Seine Anweisungen wurden der Praxis und der Forschung zugeführt - beides unter dem Dach des Demeter e.V., der den aktuellen Wissensstand in seinen Richtlinien festgehalten hat. Wichtigste Eckpfeiler der Richtlinien ist die Arbeit mit biodynamischen Präparaten und die Tierhaltung. Beides wollen wir im Folgenden im Zusammenhang mit unserem Betrieb darstellen.

Mit der Kompostwirtschaft ist es ein kompliziertes Ding. Was passiert hier eigentlich?

Kompost besteht aus unterschiedlichen Eingangsstoffen: pflanzliche und tierische Materialien. Das eine sind Pflanzenreste, wie sie bei uns im Betrieb im Wesentlichen in Form von Trester anfallen. Ein Großteil ist aber auch tierischen Ursprungs - Schafe. Der Mist wird, wenn er nicht auf der Fläche sondern im Winter im Unterstand anfällt, aufgeschichtet. Zusammen sollen die Komponenten so kompostiert werden, dass bereits im Zuge der Kompostierung wertvolle, langkettige Huminsäuren entstehen. Gefördert soll dies werden durch die Ausbringung von Demeter-Kompostpräparaten. Wir sind im absoluten Anfang der Versuche mit dieser Konstellation. Leicht nachzuvollziehen ist die Rückführung der Nährstoffe über den Trester. Interesssanter ist die Einbindung  von kosmischer Energie durch die Verwendung von Demeter-Präparaten. Wir werden über die Erfolge berichten...

HornkleeBei der Frage der Stickstoffversorgung von nach Demter-Richtlinie bewirtschafteten Flächen, spielt die Förderung von Leguminosen die entscheidende Rolle. Nichts ist in einem biologisch bewirtschafteten Betrieb einfach. Die meist verwendeten Leguminosen, welche in Symbiose mit Bakterien in der Lage sind, Luftsticksoff im Boden in pflanzenverfügbarer Form zu binden, sollen gezielt gefördert werden. Das haben wir initial über die Aussaat unterschiedlicher Kleearten ( (Trifolium repens, Trifolium pratense) getan. Es hat sich gezeigt, dass unsere Pflegemaßnahmen für Boden und Bodenvegetation sehr günstig aus die Ausbreitung des Klees wirken. Dazu kommen natürlich einwandernde Leguminosen wie zum Beispiel der Hornklee oder die Luzerne. Auch die profitieren von der Beweidungspraxis.

Aus unserer Sicht ist dies für die Obstbäume so lange interessant, wie sie ihre Wurzeln in den oberen Bodenschichten erhalten. Da wir sehr viele Neuanpflanzungen realisiert haben, ist die Akkumulation von Stickstoff in der oberen Bodenschicht also sehr wichtig. Wir werden sehen, wie lang die Bäume ihre Wurzeln auch in flachen Bodenschichten betreiben. Leguminosen sind aber auch gute, eiweißreiche Futterpflanzen für die Schafe. Der Standort wird durch die günstige Bindungsform des Stickstoffs positiv beeinflusst.

 

 

Die Regulierung des Bodenbewuchses ist vornehmstes Ziel unserer Schafhaltung. Die Schafe verbringen das gesamte Jahr auf der Weide. Es werden wöchentlich Parzellen ausgezäunt, die bis zum nächsten Umzäunen weitestgehend leer gefressen sind. Die Größe des Schafbestandes ist so gewählt, dass am Ende des Jahres die Weide gut kurzgefressen ist. Wir haben mit dieser Methode erreicht, dass wir auf beiden Flächen einen sprunghaften Anstieg an Pflanzenarten in der Bodenvegetation gewonnen haben. Das ständige Umzäunen reduziert die Infektionsgefahr mit Würmern erheblich. Und die gesamte Fläche ist mit Schafmist gedüngt. Die Vielfalt in der Bodenvegetation in Ergänzung zur Schafmistdüngung führt zu einer Aufwertung der daraus resultierenden Streuschicht aus abgestorbenem Pflanzenmaterial. Das Bodenleben wird nachhaltig gefördert. Ohne intaktes Bodenleben kann es keine intakte, ökologische Landwirtschaft geben.

Ein weiterer Effekt der Schafhaltung ist die Verdichtung sandiger Böden durch den Schaftritt. Damit steigt die Fähigkeit sandiger Standorte, Wasser länger zu halten und der Vegetation zur Verfügung zu stellen.