Obstgarten BauhofAm 20.05.2005 haben wir den Pachtvertrag für die etwas über 2ha große Fläche an der ehemaligen Verbindungsstraße zwischen Burg Stargard und dem Dorf Rowa unterschrieben. Damit wurde der Beginn unserer landwirtschaftlichen Unternehmung markiert.

Wir fanden eine Fläche vor, die bis zur politischen Wende 1989 vom Gartenbaubetrieb Neubrandenburg als Pflaumenplantage genutzt wurde. Danach kam jemand auf die Idee, die Fläche zu roden und einer ackerbaulichen Nutzung zuzuführen. Im Laufe der Arbeiten hat man sich wohl eines Besseren besonnen. Nachdem die meisten Bäume abgesägt waren, hat man die Arbeiten eingestellt und die Fläche sich selbst überlassen. Das Resultat waren flächendeckende Stockausschläge der Pflaumenunterlagen. Die Bodenvegetation bestand im wesentlichen aus Landreitgras (bekannt auch als Schneidegras).

In einer 1jährigen, kraftzehrenden Aktion haben wir den Bewuchs entfernt und eine nahezu komplette Neuanpflanzung von zumeist auf Sämlingsunterlagen veredelten alten Obstsorten vorgenommen. Aus Gründen des Bodenschutzes haben wir auf eine Rodung der Fläche verzichtet. Einige wenige noch erhaltene Pflaumenbäume haben wir freigestellt und in die regelmäßigen Bewirtschaftung integriert. Für die Anpflanzung haben wir im Wesentlichen 1jährige Veredlungen verwendet.

Der Standort ist entscheidend von der Bodensituation geprägt. Der Boden ist sehr heterogen, doch wird kaum an einer Stelle eine Bodenwertzahl über 30 Bodenpunkten erreicht. Gerade am Hang am südlichen Ende der Fläche herrschen kiesige Sande vor. Das Spektrum erstreckt sich dann bis in den Bereich der anlehmigen Sande. Diese Bodenarten machen eine Bewirtschaftung nicht leichter. So ist verständlicherweise der Wasserhaushalt ein wichtiges Problem gerade zu Kulturbeginn. Die einseitige Bodenvegetation, die sich als Folge der Bodensituation und des Wasserhaushaltes eingestellt hat, zog ihrerseits negative Folgen für die Entwicklung einer Humusschicht nach sich.

Der Anfangsbestand an KamerunschafenIn der Folgezeit war die Verbesserung der Bodensituation also unsere wichtigste Aufgabe. Zunächst haben wir begonnen, mit einem Freischneider der Grasdecke auf den Leib zu rücken. Diese Variante war sehr arbeits- und zeitintensiv und wenig praktikabel. Eine Bearbietung mittels Kleintraktor und Mähwerk war ebenfalls nicht möglich, da die zahlreichen Stuppen der Stockausschläge ständig zu Problemen mit dem Mähwerk führten. So haben wir uns entschieden, Schafe einzusetzen. Nach reiflicher Überlegung haben wir uns für die Anschaffung einer 5 Tiere umfassenden Gruppe von Kamerunschafen entschieden. Diese Gruppe ist dann im Laufe der Jahre durch Zucht und Zukauf auf ca. 25 Tiere angewachsen.

Die Zeit hat gezeigt, wie sinnvoll unsere Entscheidung war. Obwohl die Beweidung zwischen den neu gepflanzten Bäumen sehr arbeitsintensiv war, hat sich innerhalb weniger Jahre eine völlig neue, artenreiche Bodenvegetation eingestellt. Der "goldene Tritt" der Schafe hat zu einer gewünschten Verdichtung der oberen Bodenschichten geführt - mit positiven Konsequenzen für das Wasserhaltevermögen des Bodens. Und natürliche die kontinuierliche Düngung der gesamten Fläche. Es gibt eine Menge weiterer Aspekte, die den großen Aufwand bis heute gerechtfertigt haben.

Heute tritt der Aufwand für die Schafhaltung immer mehr zurück. Die Baumkronen wachsen aus dem Äserbereich der Schafe heraus. An der Rinde der Bäume sind die Schafe nicht interessiert. Die Ursache hierfür soll in einem kommenden Artikel in der Kategorie Tierhaltung diskutiert werden. So muss nicht mehr einzelreihenweise gezäunt werden.

Inzwischen nehmen die Arbeiten zum Baumschnitt einen bereits beachtlichen Zeitraum ein. Es läßt sich inzwischen sehr schön zeigen, wie der Öschbergschnitt bei unterschiedlichen Apfelsorten zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Insbesondere wirkt sich die unterschiedliche Apikaldominanz der unterschiedlichen Sorten aus, was in der Kategorie Obstbaumpflege näher diskutiert werden soll. Heute weist die Fläche über eine Vielzahl von Bäumen auf, die sich ohne Übertreibung als Musterbäume für die Anwendung des Öschbergschnitts eignen. Damit weisen sie neben ihrer wirtschaftlichen Eignung auch einen sehr hohen landschaftsgestalterischen Wert auf, der dem Gedanken eines Obstgartens wesentlich zu Grunde liegt.