Sehr geehrte Kundinnen und Kunden, leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass es uns nicht besser geht als sehr vielen professionellen und privaten Obstbauern. In diesem Jahr wird die Ernte nahezu aller unserer Obstsorten ins Wasser fallen. Bis auf die Mispeln, Beerenobst und in geringem Umfang Quitten sind die Obstgehölze nahezu leer.

 Die Ursachen für diese unerfreuliche Tatsache lässt sich nicht sicher herleiten. Am einfachsten ist es noch bei den Süßkirschen - da war einfach, zumindest bei uns - der Frost in der Blüte. Aber unsere Süßkirschen werden eigentlich vorwiegend und absichtlich für die Vögel angebaut, um sie auf die Flächen zu locken und die biologische Insektenkontrolle zu übernehmen, sozusagen als Bezahlung. Das trifft aber für die anderen Obstsorten nicht zu. Was zu beobachten war - die Gehölze haben einfach nicht geblüht! Aber warum nicht und warum so einhellig und über alle möglichen Obstarten und -sorten hinweg? An dieser Stelle kann nur spekuliert werden. Im letzten Spätsommer/Herbst hatten wir mit extremer Trockenheit zu kämpfen. Selbst große Birnenbäume hatten von der Trockenheit aufgeplatzte Früchte. Die Birnen wiesen ähnliche Symptome auf wie aufgeplatzte Tomaten. Sie hatten tiefe, breite Risse, die teilweise bis in die Kerngehäuse reichten. Das haben wir in unserer obstbaulichen Praxis noch nicht erlebt. Es fällt ins Auge, dass zwei extreme Ereignisse in einer zeitliche engen Abfolge aufgetreten sind. Das ist natürlich kein hinreichender Beweis für einen tatsächlichen Zusammenhang. Doch ist es eine Beobachtung, die wir in der Zukunft im Hinterkopf haben werden, wenn ähnliche Erscheinungen auftreten. Und dann läßt sich prüfen, ob wieder beide Ereignisse zusammen auftreten.

Bei der Lektüre einer klassischen pomologischen Zeitschrift bin ich über einen Artikel gestolpert, der sich eigentlich mit der Düngung von Obstgehölzen befaßt (Zeitschrift "Der Fruchtgarten", Heft Nr. 8, vom 01.05.1886) Der Autor des Artikels verweist darauf, dass bei einer mangelhaften Nährstoffversorgung, die nach dem weitgehenden Abschluß des Trieblängenwachstums auftritt, eine starke Beeinträchtigung der Blütenknospenbildung zu erwarten ist. Die Nährstoffunterversorgung kann 2 Ursachen haben. Zum Einen kann im Boden einfach ein Nährstoffmangel herrschen. Dies kann in konventionellen Obstbaubetrieben als Ursache wohl ausgeschlossen werden. Zum Anderen können sie nicht verfügbar sein. Pflanzen nehmen die Nährstoffe mit dem Wasser aus dem Boden auf. Der Autor geht davon aus, dass die Blütenknospen mit Hilfe bereits gebildeter Reservestoffe angelegt werden. Diese Reservestoffe werden dann aber wieder an Wasser gebunden zu den Bildungsorten der Blütenknospen transportiert. Die extreme Trockenheit im vergangenen Spätsommer fällt genau in den Zeitraum der Blütenknospenbildung. Der Mangel an Wasser kommt als Ursache für Ernährungsstörungen also durchaus in Frage. In den meisten Obstbaubetrieben wird mit schwach-mittelstark wachsenden Unterlagen gearbeitet. Unsere Bäume sind ebenfalls noch in der Jugendphase. Wir haben im Spätsommer des letzten Jahres nicht gewässert. Ich weiss nicht, wie andere Betriebe mit der damaligen Witterungslage umgegangen sind. Es erscheint jedoch aus meiner Sicht angeraten, diese Argumentation weiter zu verfolgen und in Zukunft im Auge zu behalten.

Eines soll an dieser Stelle jedoch nicht unerwähnt bleiben. Ich möchte dieses Obst- und Gemüsejahr als ein Blattjahr bezeichnen. Alles, was in unserem Betrieb Früchte ausbildet, tut dies in diesem Jahr sehr leidenschaftslos. Anders sieht es mit den Pflanzen aus, bei denen die vegetativen Pflanzenteile genutzt werden. Salate, Zwiebeln, Spinat, Kohl - sie alle gedeihen hervorragend. Und was für uns besonders erfreulich ist - die jungen Bäume haben das vegetationsfreundliche Wetter sehr gut ausgenutzt. Sehr viele haben einen enormen Zuwachs erlebt. Das hat den sehr wichtigen Vorteil, dass neben dem Wachstum in der Krone das Wachstum im Wurzelbereich ebenfalls stark zunimmt. Damit sind die Pflanzen immer weniger anfällig für extreme Witterungsereignisse und erschließen sich neue, wichtige Nährstoffquellen in tieferen Bodenschichten. Ökonomisch könnte man sagen, ein starker Zuwachs an Produktionsmitteln den uns die Natur schenkt. Und wir wissen das Geschenk zu würdigen!